Warum mischt sich die Wirtschaft in gesellschaftliche Debatten ein?
Shownotes
In dieser Folge sprechen Victoria Strachwitz und Michael Seberich mit Prof. Dr. Knut Bergmann vom Institut der deutschen Wirtschaft darüber, warum sich Unternehmen zunehmend in gesellschaftliche Debatten einbringen und wie sie ihre Verantwortung für die Demokratie verstehen. Auf Grundlage aktueller Forschung diskutieren sie, welche Motive hinter dem Engagement stehen, welche Chancen und Risiken öffentliche Positionierungen mit sich bringen und warum Unternehmen dabei auch ihre wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen müssen. Gemeinsam blicken sie auf das Verhältnis von Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft und fragen, wie die unterschiedlichen Sektoren gemeinsam Verantwortung für unsere Demokratie übernehmen können.
Unsere Argumentationshilfen:
1.
„Unternehmen
sollten sich aus gesellschaftlichen Debatten heraushalten.“
Unternehmen sind keine politischen Parteien. Gleichzeitig profitieren sie von
einer funktionierenden Demokratie und einem stabilen Rechtsstaat. Ob und wie
sie sich äußern sollten, darüber kann man streiten. Dass demokratische
Rahmenbedingungen auch wirtschaftliche Bedeutung haben, das lässt sich wiederum
kaum bestreiten.
2. „Unternehmen zeigen Haltung, doch nur aus Marketinggründen.“
Diesbezüglich zeigt die Forschung ein sehr differenziertes Bild. Haltung kann Vertrauen schaffen, sie kann aber ebenso Ablehnung hervorrufen. Öffentliche Positionen zu beziehen ist deshalb keineswegs risikolos für ein Unternehmen. Gerade deshalb lohnt sich die Frage, wann gesellschaftliches Engagement eines Unternehmens glaubwürdig wirkt, was nicht einfach zu messen ist.
3. „Demokratie ist Aufgabe des Staates, nicht der Wirtschaft.“
Der Staat trägt die Verantwortung für demokratische Institutionen. Eine lebendige Demokratie lebt aber auch von engagierten gesellschaftlichen Akteuren, Unternehmen, Zivilgesellschaft. Die spannende Frage ist deshalb nicht, ob Unternehmen den Staat ersetzen sollen, sondern welche Verantwortung sie in einer demokratischen Gesellschaft übernehmen können.
Wichtige Quellen und Texte zur Folge:
Diermeier, M., Vollmer, R., Bergmann, K., Hierlemann, D., Beschorner, T., Meggle, M. (2026). Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Gütersloh. https://www.iwkoeln.de/studien/matthias-diermeier-knut-bergmann-unternehmen-in-der-demokratie-besorgt-willens-gefordert.html
mdr. (2026, 3. März). AfD stellt erstmals einen Landrat in Deutschland. mdr.de. https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/sonneberg/stich-wahl-landrat-afd-cdu-sesselmann-koepper-100.html
Bensmann M., von Daniels J., Dowideit A., Peters J., Keller G.. (2026, 4. März). Geheimplan gegen Deutschland. correctiv.org. https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/01/10/geheimplan-remigration-vertreibung-afd-rechtsextreme-november-treffen/
Lübbert, R. (2022, 9. Dezember). Zeitreise – Der SPIEGEL vor 50 Jahren: Wilde Attacken von rechts gegen die Brandt-Regierung. DER SPIEGEL, Hamburg. https://www.spiegel.de/geschichte/der-spiegel-1972-rechte-attacken-gegen-die-brandt-regierung-a-b67fc4dd-2930-45ed-80b3-da6f32070188
Deutschlandfunk. Knut Bergmann, IW: Unternehmen im Osten - wie fest an der Seite der Demokratie? Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/knut-bergmann-iw-unternehmen-im-osten-wie-fest-an-der-seite-der-demokratie-100.html
Hüther, M. (2024, 12. Februar). Wie gefährlich ist die AfD für unseren Wohlstand? Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). https://www.iwkoeln.de/presse/in-den-medien/michael-huether-wie-gefaehrlich-ist-die-afd-fuer-unseren-wohlstand.html
Bergmann, K., Niehues, M. D. A. J. (2018). Ein komplexes Gebilde. Eine sozio-ökonomische Analyse des Ergebnisses der AfD bei der Bundestagswahl 2017. Zeitschrift für Parlamentsfragen, 49(2), 243–264. https://www.jstor.org/stable/26779497
Bergmann, K., Diermeier, M., Kindermann, D., Schroeder, W. (2024) Die deutsche Wirtschaft und die AfD: Erfahrungen, Befunde und erste Forschungsergebnisse. WZB Discussion Paper No. ZZ 2024-602. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Berlin. https://hdl.handle.net/10419/283899
Rhodes, C. (2022). Woke Capitalism: How Corporate Morality is Sabotaging Democracy. Bristol University Press.
Deutscher Bundestag (2019). Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Frank Schäffler, Christian Dürr, Dr. Florian Toncar, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP – Drucksache 19/15948 – Finanzierung von Kampagnen gegen TTIP und andere Freihandelsabkommen durch Mittel des Bundes und der EU-Institutionen. In Deutscher Bundestag Drucksache 19/16299. https://www.bundestag.de/webarchiv/presse/hib/2020_01/677692-677692
Impressum
Gefördert durch: Robert Bosch Stiftung und Schöpflin Stiftung
Eine Produktion von: Maecenata Stiftung und Wider Sense
Redaktion & Konzept: Victoria Strachwitz, Michael Seberich
Produktionsteam: Lisa Klisch (verantwortlich), Anna Henke, Ansgar Gessner, Sascha Nicke, Pauline Fritz
Gestaltung: Joerg Solzbacher, Lisa Klisch
Transkript anzeigen
Track 3: Ich glaube, dass die Zivilgesellschaft nicht die Erwartung haben kann,
Track 3: dass ein Unternehmen seine eigene Insolvenz in Kauf nimmt, um ein mögliches
Track 3: gesellschaftlich erwünschtes Verhalten zu unterstützen. Die NGO-Debatte.
Track 3: Ein Podcast von Viktoria Strachwitz.
Track 1: Und Michael Seberich.
Track 1: Hallo Michael.
Track 2: Hallo Viktoria und hallo liebe Hörerinnen und Hörer.
Track 1: Wenn ich auf unsere letzten Folgen schaue, dann fällt mir etwas auf.
Track 1: Egal ob Naturschutz, Sport oder Integration, irgendwann sind wir immer bei der Demokratie gelandet.
Track 2: Und fast jedes Mal kam dieselbe Frage auf. Warum mischen sich diese Organisationen
Track 2: der Zivilgesellschaft eigentlich in gesellschaftliche Debatten ein?
Track 2: Sollte ein Umweltverband über Demokratie sprechen? Sollte ein Sportverband Haltung
Track 2: zeigen? Oder sollte sich ein Integrationsverein politisch äußern?
Track 1: Und viele sagen, kümmert euch doch lieber um eure eigentlichen Aufgaben.
Track 2: Beim Lesen der Zeitungen oder auch beim Hören von anderen Podcasts wird klar,
Track 2: die Diskussion, die wir hier die ganze Zeit führen, betrifft längst nicht mehr
Track 2: nur die Zivilgesellschaft.
Track 1: Ob DAX-Konzerne, Familienunternehmen oder Mittelständler, immer häufiger beziehen
Track 1: auch Unternehmen öffentlich Stellung zu Fragen der Demokratie,
Track 1: des gesellschaftlichen Zusammenhalts oder des Umgangs mit Extremismus.
Track 2: Nicht nur Umweltverbände, Sportvereine und Hilfsorganisationen sehen Demokratie
Track 2: offenbar nicht mehr als etwas Selbstverständliches, sondern als etwas,
Track 2: für das man öffentlich eintreten muss.
Track 2: Das Interessante daran ist, dass auch Unternehmen dafür aber auch angegriffen
Track 2: werden, wenn sie solche Positionen beziehen.
Track 1: Die Frage ist ja, warum tun Unternehmen das? Unternehmen entwickeln ja eigentlich
Track 1: Produkte, bieten Dienstleistungen an, schaffen Arbeitsplätze.
Track 1: Warum mischen sie sich plötzlich in gesellschaftliche Debatten ein?
Track 2: Da liegt auch, glaube ich, die Brücke zu unserem eigentlichen Thema unseres
Track 2: Podcasts. Übernehmen Unternehmen heute Verantwortung, die früher eher Vereine,
Track 2: Kirchen und Gewerkschaften zugeschrieben wurden?
Track 1: Darüber sprechen wir heute mit Prof. Dr. Knut Bergmann vom Institut der Deutschen
Track 1: Wirtschaft. Und jetzt schweife ich etwas aus, um zu erklären, warum.
Track 1: Er leitet in Doppelfunktion das Berliner Büro und die Kommunikationsabteilung
Track 1: des Instituts der Deutschen Wirtschaft.
Track 1: Zudem ist er dort angehängt an das Cluster Demokratie-Gesellschaft-Marktwirtschaft.
Track 1: Außerdem lehrt er Politikwissenschaft an der Uni in Bonn.
Track 1: Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen hat er gerade untersucht,
Track 1: wie Unternehmen öffentlich Haltung zeigen, wie dieses Engagement bei den Menschen
Track 1: ankommt und wie Unternehmen ihre Rolle in der Demokratie sehen.
Track 1: Knut kennt die Zivilgesellschaft. Er war einige Jahre Grundsatzreferent im Bundespräsidialamt.
Track 1: Sein Querschnittsthema war dort, Trommelwirbel, die Zivilgesellschaft.
Track 1: Das verspricht also ein spannendes Gespräch zu werden. Lieber Knut, schön, dass du da bist.
Track 3: Hallo, ich grüße euch. Vielen Dank für die Einladung.
Track 1: Ja, ich hoffe, wir haben richtig wiedergegeben, was du alles so machst.
Track 3: Ja, ja, das passt schon.
Track 1: Wir haben jetzt also gerade unseren Eindruck geschildert. Täuscht das oder erleben
Track 1: wir tatsächlich gerade einen Wandel?
Track 3: Ja, also es gibt schon einen Wandel in politischem Engagement.
Track 3: Das Engagement von Unternehmen ist ja gerade in Deutschland,
Track 3: geht ja zurück bis ins Kaiserreich.
Track 3: Dann haben wir in den letzten 25 Jahren diese intensive Debatte um Corporate
Track 3: Social Responsibility beobachten können.
Track 3: Und jetzt sind wir bei der Corporate Political Responsibility angekommen,
Track 3: wie das von manchen Autoren bezeichnet wird.
Track 3: Das ist jetzt auch keine ganz neue Diskussion, aber fasst eben die Frage,
Track 3: ob Unternehmen möglicherweise nicht eben auch politischer werden müssen oder
Track 3: politische Stellung nehmen müssen, jetzt unmittelbar über den Kernbereich ihres Handelns hinaus.
Track 3: Dass sich beispielsweise der Schraubenhersteller Wirt in Personamen seines Eigentümers
Track 3: sehr deutlich gegen die AfD positioniert hat, das sind Positionierungen,
Track 3: die hat es früher so nicht gegeben.
Track 2: Sind da eine schleichende Entwicklung oder gibt es da so einen Kipppunkt,
Track 2: wo man sagt, da wurde das dann nochmal bedeutend politischer und auch mit Blick
Track 2: auf Demokratie, dass Unternehmen sich für gesellschaftliche Themen engagiert
Track 2: haben? Da hast du ja auch schon hingewiesen, das gibt es ja schon sehr lange.
Track 3: Ja, also der Kipppunkt ist gewesen, die Diskussion im Zuge der Landratswahl
Track 3: in Sonneberg im Sommer 2023, wo das erste Mal ein AfD-Kandidat gewählt worden ist zu einem Landrat.
Track 3: Danach gab es dann eine Diskussion, politisch intendiert, inwieweit die AfD
Track 3: möglicherweise ein Standortrisiko ist. Und dann gab es Ende des Jahres,
Track 3: Ende 2023, dieses sogenannte Potsdamer Geheimtreffen, wo angeblich auch Unternehmer dabei gewesen sind.
Track 3: Und das ist dieses Treffen gewesen, wo die AfD dann sich mit diesem Remigrationsbegriff
Track 3: auseinandergesetzt hat.
Track 3: Und danach gab es dann sehr vielfältige Kampagnen und Positionierungen von Verbänden,
Track 3: aber dann auch von Unternehmen, zum Teil zugunsten der Demokratie.
Track 3: Das hat es auch schon früher immer mal wieder gegeben. Da gibt es auch einige,
Track 3: sehr prominente Beispiele, aber zum anderen auch dann direkt gegen die AfD.
Track 3: Und das ist neu. Also diese parteipolitische Positionierung,
Track 3: diese eindeutig parteipolitische Positionierung von Verbänden und Unternehmen
Track 3: ist tatsächlich einzigartig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Track 3: Wenn man in die Literatur guckt, was Verbände angibt, da gibt es ein bisschen
Track 3: zu, was parteipolitische Positionierungen von Verbänden angeht.
Track 3: Da gibt es Anfang der 70er Jahre ein Beispiel, wo man, das ist in den Dachverbänden
Track 3: koordiniert worden, was man eigentlich nur als eine.
Track 3: Unionskampagne begreifen konnte gegen damals die sozialliberale Regierung.
Track 3: Das ist aber ein zündlicher Sündenfall gewesen. Sonst findet man das nicht,
Track 3: dass natürlich wirtschaftsnahe Institutionen tendenziell eher eine Nähe haben
Track 3: zu den Unionsparteien oder zur FDP. Das überrascht nicht.
Track 3: Wir hatten uns früher schon immer mal wieder auch mit der AfD beschäftigt,
Track 3: mit der Soziodemografie der Wählerschaft.
Track 3: Das sind so gewissermaßen die ursprünglichen Cluster gewesen.
Track 3: Aber dann das Demokratieengagement von Unternehmen zu untersuchen,
Track 3: das ist tatsächlich neuartig gewesen und da hätte es bisher auch eigentlich
Track 3: keinen Anlass zu gegeben.
Track 1: Wie blicken Unternehmen denn heute auf die Demokratie? Hat sich da was verändert?
Track 3: Das ist jetzt im Zeitverlauf schwierig zu sagen, weil es diese Studien früher
Track 3: so nicht gegeben hat. Das, was wir jetzt rausgefunden haben,
Track 3: haben jetzt eine große Studie gemacht, die einen quantitativen mit einem qualitativen Teil kombiniert.
Track 3: Und der Titel fasst das eigentlich ganz gut zusammen. Besorgt, willens, gefordert.
Track 3: Das ist das, wie Unternehmen heute auf die Demokratie gucken und auf dieses
Track 3: Land gucken, dass sie halt schon verstehen überwiegend, dass die Demokratie
Track 3: auch dazugehört, also dass sie ein Standortvorteil ist.
Track 2: Und aus der Studie heraus, was haben denn dann Unternehmen für eine Erwartung
Track 2: an Demokratie und Politik?
Track 3: Das ist so ein bisschen zweigeteilt. Also zum einen, Sie sehen halt die Vorteile, die Demokratie bietet.
Track 3: Also bundesweit sagen 93 Prozent der Unternehmen Demokratie ist ein klarer Standortvorteil.
Track 3: Befragt haben wir übrigens hier Geschäftsführer, Inhaber und Vorstände.
Track 3: Also wir sind da tatsächlich auf dem Top-Führungsniveau, so 93 Prozent sagen
Track 3: das bundesweit, übrigens in Ostdeutschland auch über 90 Prozent der Unternehmen.
Track 3: Das ist natürlich irgendwie auch ein Betriebsmodell unserer Wirtschaft,
Track 3: der sozialen Marktwirtschaft ist das halt auch mit drin.
Track 3: Dann, was sie von der Politik haben wollen, das haben wir auf die Oberbegriffe gebracht, mehr Tempo.
Track 3: Also es wird zu über 90 Prozent kritisiert, dass Entscheidungen zu langsam sind
Track 3: in der Demokratie und es gibt einen Wunsch von fast 90 Prozent nach klaren Regierungsentscheidungen.
Track 3: Und auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Zustimmung von über 90 Prozent,
Track 3: der Bedeutung der kritischen Rolle von Opposition und Medien.
Track 3: Und 70 Prozent der Unternehmen sagen auch, dass sie eine breite Beteiligung
Track 3: gesellschaftlicher Gruppen befürworten. Das ist natürlich auch in der Sozialpartnerschaft
Track 3: letztendlich gelernt und mit drin.
Track 1: Und welche Rolle sehen Unternehmen für sich selbst? Geht es ihnen dann nur um
Track 1: wirtschaftlichen Erfolg oder gehört gesellschaftliche Verantwortung inzwischen
Track 1: vielleicht viele zum eigenen Selbstverständnis?
Track 3: Also es gehört für ganz viele zum Selbstverständnis. Also jetzt bei der gesellschaftlichen
Track 3: Verantwortung muss man natürlich auch ein bisschen weiter fassen.
Track 3: Da haben wir ja die lange CSR-Debatte gewesen.
Track 3: Letztendlich ist das für Unternehmen auch ein wohlverstandenen Eigeninteresse, sich zu engagieren.
Track 3: Ob das dann immer besonders kluges und ausgereiftes Engagement ist,
Track 3: sei mal dahingestellt, da könnte jetzt Michael sehr viel mehr zu sagen.
Track 3: Aber dieses politische Engagement ist wie gesagt neu und 80 Prozent der Unternehmen
Track 3: haben sich für die Demokratie engagiert in den letzten drei Jahren.
Track 3: Und das finde ich ist, also es gibt nur 20 Prozent, die gesagt haben,
Track 3: dass sie da nichts gemacht haben.
Track 3: Das, was sie dann gemacht haben und die Motive, warum sie sich engagiert haben,
Track 3: oder auch warum sie sich nicht engagiert haben, sind dann eben sehr vielfältig.
Track 2: Das bedeutet dann aber auch, dass sich da was verändert. 1970 hat,
Track 2: glaube ich, Milton Friedman gesagt, the business of business is business.
Track 2: Da scheint sich was verrutscht oder verändert zu haben, oder?
Track 3: Ja, die Frage ist, ob das jemals wirklich so richtig war. Auf der anderen Seite,
Track 3: an dem Friedman haben sich ja sehr viele abgearbeitet. Auf der anderen Seite,
Track 3: und das muss man halt in dem,
Track 3: insbesondere Berliner Diskurs, den wir gelegentlich um Engagement führen,
Track 3: auch klar dazu sagen, die Erwartungshaltung an Unternehmen ist halt sehr hoch,
Track 3: und es ist manchmal sehr schwierig.
Track 3: Mit dem Argument gehört zu finden, dass Unternehmen, also wenn man danach fragt,
Track 3: warum engagieren die sich nicht, ist jetzt tatsächlich bei unserer Studie rausgekommen,
Track 3: dass 60 Prozent der Unternehmen dann sagen, weil wir diese Ressourcen einfach nicht haben.
Track 3: Und das ist das eine. Und das andere ist, dass man eben natürlich auch einem
Track 3: Unternehmen, was beispielsweise jetzt in Sachsen oder in Sachsen-Anhalt auf
Track 3: dem Land tätig ist, kleinräumig, was vielleicht auch gar nicht so im Blick hat,
Track 3: dass eben auch dieses Unternehmen Fachkräfte zu Wanderungen braucht.
Track 3: Und ebenfalls bei den Wahlergebnissen, dann ist ja komisch wäre,
Track 3: wenn das eigene Unternehmen völlig frei wäre von der AfD, also man will sagen,
Track 3: Management, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und so weiter.
Track 3: So, und wenn die sich aus einem Wohlverständen Eigeninteresse nicht gegen die
Track 3: AfD positionieren wollen, dann ist das eben auch legitim, weil das möglicherweise
Track 3: dann tatsächlich dem Unternehmen wirtschaftliche Schwierigkeiten bereitet.
Track 3: Also das haben wir auch gesehen jetzt in unserer Umfrage, dass im Osten mehr
Track 3: Unternehmen befürchten, dass sie, wenn sie sich für die Demokratie engagieren,
Track 3: dass sie dann Konflikte in der Belegschaft bekommen, dass sie mehr Shitstorms
Track 3: bekommen und dergleichen.
Track 3: Das sind jetzt keine für sich genommen sehr hohen Werte. Also wir sind da immer
Track 3: so unter 30 Prozent noch, aber das ist eben mehr, als das im Westen gesehen wird.
Track 3: Und das ist manchmal, also ich kann mich daran erinnern, ich habe mal den Deutschlandfunken-Interview
Track 3: gegeben zu einer Vorgängerstudie, da kam diese Frage dann dreimal und das war
Track 3: dann für den Interviewer auch richtig blöd, weil er halt dreimal nachgefragt
Track 3: hat in einem Live-Interview und er hat halt dreimal dieselbe Antwort bekommen.
Track 3: Die ihn offenbar etwas befremdet hat. Aber das ist dann auch nach meinem Dafürhalten
Track 3: sind halt die Fehlannahmen der CD-Gesellschaft, was Unternehmen am Ende des
Track 3: Tages sind und leisten können.
Track 2: Dann frage ich jetzt nicht nochmal nach, sondern gib an Viktoria weiter.
Track 1: Ein Unternehmen vertritt ja in erster Linie Eigentümerinteressen.
Track 1: Und manche würden sagen, Unternehmen sollen steuernd sein, Arbeitsplätze schaffen,
Track 1: sich ansonsten bitte aus politischen Debatten heraushalten.
Track 1: Ist das jetzt einfach zu kurz gedacht?
Track 3: Ja, also das ist jetzt sehr funktional gedacht. Und ich meine,
Track 3: da hatten wir ja vorhin das schon mal angetippt.
Track 3: Unternehmen sind halt nicht nur Arbeitsplatzbereitsteller und Steuerzahler und
Track 3: Produzenten von Gütern, sondern sie sind auch soziale Orte.
Track 3: Sie sind vielfach verankert an den Standorten und da kommen wir dann auch wieder
Track 3: jetzt nicht nur zum Engagement zu Gunsten der Demokratie, sondern,
Track 3: es ist halt in einem wohlverstandenen Eigeninteresse, weil man eben sein eigenes
Track 3: Umfeld mitgestaltet und jetzt bei der Demokratie, um das mal ganz simpel zu machen.
Track 3: Wir wissen halt, dass schon vor drei Jahren, das war im Zuge dieser Diskussion
Track 3: von Sonneberg, Verbände gesagt haben, dass sie jetzt schon Probleme sehen,
Track 3: an AfD-Hochburgenfachkräfte zu gewinnen.
Track 3: Und gerade Ostdeutschland braucht Zuwanderung aus dem Ausland,
Track 3: übrigens auch aus EU-Drittstaaten.
Track 3: Das Bundesland mit der schlechtesten demografischen Entwicklung ist Sachsen-Anhalt.
Track 3: Die brauchen das besonders. Und da ist auch die Gefahr eines Teufelskreises
Track 3: da so. Und jetzt kann man vielfältig darüber diskutieren, warum der sprichwörtliche
Track 3: indische IT-Fachmann, warum der eben nicht nach Sachsen-Anhalt geht.
Track 3: Aber das hat natürlich auch was mit dem gesellschaftlichen Klima zu tun und
Track 3: dem Zustand der Demokratie in diesem Land und dem gesellschaftlichen Sound, wenn man das will.
Track 3: Und ich würde mich da eben als jemand, der es eben nicht weiß,
Track 3: nicht deutsch gelesen wird, würde ich mich da auch nicht wohlfühlen.
Track 3: Und da habe ich dann als Unternehmen sofort ein Problem mit.
Track 3: Also schönes Beispiel von einer der besten Kampagnen, die ich gesehen habe.
Track 3: War die Kampagne von jener Optik im Vorfeld der Thüringer Landtagswahl 2024.
Track 3: Also die haben ein Jahr vorher damit begonnen. Die haben kein einziges Mal AfD
Track 3: gesagt, aber es war völlig klar, was die meinen.
Track 3: Also für Offenheit, für Vielfalt. Und dann haben die das bebildert mit Menschen
Track 3: aus dem eigenen Unternehmen.
Track 3: Und jetzt ist das ein Hightech-Konzern, da kann man sich ungefähr,
Track 3: die haben glaube ich über 100 Nationen im Unternehmen, da kann man sich halt
Track 3: aussehen, wie die da, also kann man sich vorstellen, wie die ausgesehen haben.
Track 3: Das war wirklich ein sehr schönes Beispiel zugunsten eben eines Stils.
Track 1: Aus ureigenem Interesse müssen die sich einmischen in politische Debatten.
Track 3: Absolut, absolut, ja.
Track 2: Was dann aber am Ende auch bedeutet, dass wenn man sich gesellschaftlich engagiert
Track 2: als Unternehmen, dann ist man in irgendeiner Form auch immer politisch unterwegs,
Track 2: weil man Positionen bezieht etc. pp. Oder?
Track 3: Ja, klar. Also am Ende,
Track 3: das werden Gratwanderungen sein und sicherlich wird man bei manchen Unternehmensengagement,
Track 3: wird man das sehr stark dann auf die Personen des Eigentümers zurückführen können,
Track 3: was dann vielleicht auch gar nicht so im Unternehmen durchwirkt.
Track 3: Auf der anderen Seite wird es eben auch wirklich, gibt es Button-Up-Initiativen in Unternehmen.
Track 3: Das Bild ist bunt. Aber klar, am Ende ist das, natürlich wird es auch sehr schnell politisch.
Track 1: Jetzt haben wir in den vergangenen Folgen immer wieder rausgearbeitet,
Track 1: wie wichtig eine starke Zivilgesellschaft für das Funktionieren unserer Demokratie ist.
Track 1: Und jetzt schauen wir ja heute über den Tellerrand und wüsste ich gar nicht,
Track 1: welche Rolle spielt die Wirtschaft für eine funktionierende Demokratie. Kannst du das sagen?
Track 3: Ja, das hat ja ganz viele Dimensionen. Also zum einen tragen natürlich Unternehmen
Track 3: sehr viel zum sozialen Frieden bei, weil sie schlichtweg Arbeitsplätze bereitstellen.
Track 3: Also dem Land geht es nach wie vor gut also die Verhältnisse werden zwar schwieriger,
Track 3: die Wirtschaft ist unter Druck
Track 3: aber das ist jetzt mal so erstmal die Elementarfunktion und es gibt ja,
Track 3: Viele Untersuchungen, die diesen Zusammenhang sehen,
Track 3: dass das Wirtschaftswunder, ob es jetzt so stattgefunden hat oder nicht,
Track 3: gewissermaßen die Wohlverhaltensprämie dann für demokratiekonformes Verhalten,
Track 3: in den Gründungsjahren der Bundesrepublik gewesen ist.
Track 3: Das zieht sich ja bis heute durch und man wird, wenn man jetzt tatsächlich als
Track 3: Demokratie zweifelhaftes Wahlverhalten die Wahl der AfD als Proxy setzen will,
Track 3: dann hat das eben zum Teil auch was mit schwindendem Wohlstand zu tun.
Track 3: Also das ist ein sehr komplexes Bündel, was sich dahinter verbirgt,
Track 3: aber da kann man schon Zusammenhänge sehen.
Track 3: Also es heißt, sie stellen erstmal Arbeitsplätze rein und zum anderen eben engagieren
Track 3: sie sich jetzt für die Demokratie und das auch aus allem wohlverstandenen Eigeninteresse hinaus.
Track 3: Und Unternehmen sind ja auch Orte, wo sich Menschen begegnen,
Track 3: in Austausch sind ja durchaus auch über demokratiepolitische Themen.
Track 2: Dann ergibt sich daraus ja eigentlich schon gleich die Frage,
Track 2: wenn Unternehmen sich jetzt da stärker engagieren für Demokratie,
Track 2: verändert sich dann auch deren Rolle in unserer Demokratie?
Track 2: Oder ist das eigentlich mit Verbänden in der Vergangenheit einfach anders gewesen
Track 2: oder mit anderen Interessensvertretungen?
Track 3: Ich glaube, dass darin tatsächlich die Antwort liegt. Ansonsten würde ich immer
Track 3: mahnen, bei den Erwartungen realistisch zu sein, der einen Seite und auf der
Track 3: anderen Seite die eigene Rolle nicht zu überdehnen.
Track 3: Und da habe ich manchmal den Eindruck, dass insbesondere die Zivilgesellschaft,
Track 3: sich so eine Art von Allheilsformel wähnt und eben auch Erwartungen an andere
Track 3: Sektoren herrscht, die sie wahrscheinlich gar nicht so erfüllen können.
Track 2: Haben wir ja verstanden, warum Unternehmen sich häufiger öffentlich äußern,
Track 2: insbesondere in einer Zeit, wo Demokratie halt auch ein heiß diskutiertes Thema
Track 2: ist in unserer Gesellschaft.
Track 2: Wie kommt das eigentlich bei den Menschen an? Wie kommt das bei denen an,
Track 2: die da auch arbeiten? Habt ihr dazu auch was in eurer Studie oder beziehungsweise
Track 2: gibt es dazu auch Ergebnisse?
Track 3: Diese Wirkungsfrage ist wahnsinnig schwer zu erfassen. Das ist wie gesagt ja
Track 3: auch eines der Hindernisse, warum Unternehmen sich dann nicht engagieren,
Track 3: weil sie nicht an die Wirkung glauben oder weil sie nicht wissen,
Track 3: was sie tun sollen oder weil sie nicht wissen, was wirkt.
Track 3: De facto ist es leider, also bei den wenigen Daten, die wir dazu haben,
Track 3: sind es relativ ernüchterne Erkenntnisse, was die Wirkung angeht.
Track 3: Also wir haben beispielsweise mal vor zwei oder drei Jahren die Frage gestellt,
Track 3: als jetzt viele Unternehmen sich sehr klar an Sachen AfD positioniert hatten,
Track 3: inwieweit das eigentlich, da haben wir eine Personenbefragung gemacht,
Track 3: inwieweit das eigentlich die Menschen erreicht hatten.
Track 3: Und da haben interessanterweise vor allem AfD-Anhänger wahrgenommen,
Track 3: dass sich Unternehmen positioniert hatten gegen die AfD.
Track 1: Also wenn so Kommunikationsabteilungen dann glauben, man muss Haltung zeigen,
Track 1: kann man machen, aber kann man so nicht sagen, weil man nicht weiß, was man damit erreicht.
Track 3: Ja, ich habe tatsächlich mal bei einer ganzen Reihe von Unternehmen nachgefragt,
Track 3: woran ist die eigentlich Wirksamkeit? Da hat es durchaus bis hin zu Mitarbeiterbefragungen gegeben.
Track 3: Ansonsten ist da sehr viel anekdotisch. Aber das systematisch zu erfassen,
Track 3: ist einfach sehr schwer und es ist dann ja auch letztendlich,
Track 3: glaube ich, nicht Kernaufgabe eines Unternehmens, das zu tun.
Track 3: Und wenn man sich anguckt, was HR-Abteilungen schon alles zu tun haben,
Track 3: dann ist das vielleicht nicht die allervornehmste Aufgabe.
Track 3: Das ist vielleicht eher eine Frage, die uns jetzt als Experten interessiert
Track 3: und als Wissenschaftler, aber das ist verdammt schwierig, ebenso in der Praxis gerecht zu werden.
Track 2: Wenn das mit der Haltung so eine Herausforderung ist, gibt es dann,
Track 2: kannst du sagen, gibt es da irgendwie so eine Regel, wann Menschen das eher
Track 2: als Marketing empfinden und wann sie das eher als glaubwürdige Haltung empfinden?
Track 2: Oder hat das auch eher was dann mit Zeitgeist und dem richtigen Moment zu tun etc.?
Track 3: Also in der Kommunikation, it's all about timing. Also das gilt sicherlich auch.
Track 3: Ansonsten kann man da, also kann ich da jetzt nur vermuten oder so ein paar
Track 3: Indizien nachgehen. Also grundsätzlich weiß man halt, dass das Unternehmerbild
Track 3: in der Gesellschaft unfassbar schlecht ist.
Track 3: Das wenn man aber dann mal, also auch im Tatort, der Mörder ist ja immer der
Track 3: Unternehmer, aber dass wenn man dann die Leute fragt, ja wie ist das denn in
Track 3: deinem Unternehmen, also gerade in kleinen Unternehmen, wie ist das denn mit
Track 3: deinem Familienunternehmer, dann hat er halt extrem hohe Glaubwürdigkeitswert.
Track 3: Ich glaube, als Marketing wird das dann immer wahrgenommen bei Leuten,
Track 3: die halt sowieso gerade aus der Zivilgesellschaft sehr kritisch gegenüber Unternehmen
Track 3: eingestellt sind per se.
Track 3: Und ansonsten ist es natürlich eine Frage von Timing und dann auch persönliche
Track 3: Betroffenheit kann halt eine Rolle spielen.
Track 3: Also natürlich werde ich einem Unternehmer, der aus einer,
Track 3: jüdischen Familie kommt, die während der Nazi-Zeit enteignet worden sind,
Track 3: mutmaßlich höhere Glaubwürdigkeitswerte dabei zumessen, als jemand,
Track 3: der im Zweiten Weltkrieg mit einer Panzerproduktion sehr vermögend geworden ist.
Track 1: Wenn man jetzt so nach Amerika schaut, was nach dem letzten Präsidentenwechsel
Track 1: passiert ist, da haben ja viele Unternehmen Prinzipien, die sie zuvor als Haltung
Track 1: auch verkauft haben, wieder über Bord geworfen und sehr schnell sich angepasst.
Track 1: Wie schaut denn das in Deutschland aus? Also kann auch hier Haltung gefährlich werden?
Track 3: Also, wir haben das auch abgefragt und eben 60 Prozent der Unternehmen,
Track 3: so roundabout 60 Unternehmen, ich glaube, so ein bisschen über 60 Prozent der
Track 3: Unternehmen sagen, wir würden auch in dem Falle unser Engagement nicht einstellen.
Track 3: Ich glaube, da muss man übrigens auch bei diesen Fällen aus Amerika,
Track 3: das, was wir wahrgenommen haben, ich weiß nicht, ob das in Gänze so ist,
Track 3: ich kenne keine Untersuchungen dazu, sondern das sind natürlich immer Einzelfälle
Track 3: gewesen, übrigens auch durchaus von deutschen Unternehmen.
Track 3: Jetzt kann man natürlich trotzdem für Zivilgesellschaft eine unangenehme Aussage
Track 3: und möglicherweise auch für mich kann man sich die Frage stellen,
Track 3: ob da nicht möglicherweise auch ein paar Programme eingestampft worden sind,
Track 3: die wirklich aus einem gesellschaftlichen Zeitgeist entsprungen sind und die,
Track 3: auch nicht der Haltung eigentlich des Unternehmens entsprachen,
Track 3: aber so einer gesellschaftlichen Erwartungshaltung, die möglicherweise etwas
Track 3: fehlgeleitet gewesen ist.
Track 3: Das, was wir für Deutschland wissen, das, was die Unternehmen sagen,
Track 3: viele würden das halt beibehalten. Auf der anderen Seite, da sind wir wieder bei Friedman.
Track 3: Wir hatten einen Vorstandschef, der dann gesagt hat, naja, ich kann Ihnen da
Track 3: jetzt eine Antwort drauf geben als Privatmensch und ich kann Ihnen eine Antwort
Track 3: als Vorstandschef drauf geben. Und die fällt sehr unterschiedlich aus.
Track 3: Also es ist auch ein Unternehmen, was ein Drittel seines Geschäfts in den USA hat.
Track 3: Und ich glaube, da kann man drüber diskutieren.
Track 3: Das ist vielleicht alles nicht schön, aber es ist eine legitime Position,
Track 3: weil wenn eben ein Unternehmen sich anfängt, seine wirtschaftliche Basis zu unterspülen,
Track 3: dadurch, dass es gewissen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird,
Track 3: dann ist das natürlich schon problematisch.
Track 3: Ich glaube, dass die Zivilgesellschaft nicht die Erwartung haben kann,
Track 3: dass ein Unternehmen seine eigene Insolvenz in Kauf nimmt, um ein mögliches
Track 3: gesellschaftlich erwünschtes Verhalten zu unterstützen.
Track 2: Das ist ja glaube ich eine der Sollbruchstellen vermutlich in dieser Diskussion,
Track 2: weil das ist ja auch alles das, was wir an Kritik, an Zivilgesellschaft erleben,
Track 2: erleben wir ja zum Teil tatsächlich jetzt auch mit Blick auf Unternehmen.
Track 2: Und das prominenteste Beispiel dabei, interessanterweise sowohl auf der linken
Track 2: politischen Seite als auch auf der rechten bis rechtsextremen Seite immer wieder zitiert,
Track 2: ist dieser australische Organisationsentwicklungsprofessor Karl Rhodes,
Track 2: der dieses Buch geschrieben hat, World Capitalism, How Corporate Morality is Sabotaging Democracy.
Track 2: Da geht es ja so weit, dass da gesagt wird, eigentlich sollten sich Unternehmen
Track 2: gar nicht mit solchen Dingen befassen, weil das gefährdet sogar die Demokratie.
Track 2: Von daher ist natürlich nochmal wirklich die Frage, was seht ihr denn,
Track 2: was für einen Auftrag nehmen denn die Unternehmen aus eurer Forschung heraus
Track 2: an mit Blick auf die Demokratie?
Track 3: Dass sie sich eben auf sehr vielfältige Art und Weise engagieren und dass das
Track 3: auch in den letzten Jahren zugenommen hat.
Track 3: Das ist natürlich jetzt eine relativ undifferenzierte Antwort.
Track 3: Vielleicht könnt ihr ja diese Studie von uns mal verlinken.
Track 3: Da findet man halt eine ganze Vielzahl von Beispielen drin und das gibt dann
Track 3: ein ziemlich buntes Bild, aber auch ein gewisses Mosaik von Unternehmensengagement
Track 3: zugunsten der Demokratie.
Track 3: Und ansonsten, das, was du gerade zitiert hast, Michael, das ist ja nicht so völlig neu.
Track 3: Wir haben ja diese Diskussion auch um den Philanthropy Capitalism gehabt Anfang
Track 3: der 10er Jahre, als dann diese Diskussion aus den USA in die Bundesrepublik
Track 3: oder nach Europa gekommen ist.
Track 3: Das ist ja letztlich dann alles eine Seite derselben Engagementmedaille, wenn du so willst.
Track 2: Auf jeden Fall. Und die Studie wird auf jeden Fall verlinkt.
Track 2: Die findet man dann in den Notes zu dem Podcast. Viktoria.
Track 1: Wenn ich mir jetzt die anderen Folgen so anhöre, dann sind wir wieder bei dem Muster.
Track 1: Naturschutzverbände übernehmen Verantwortung, Sportvereine übernehmen Verantwortung,
Track 1: Integrationsorganisationen übernehmen Verantwortung.
Track 1: Jetzt sprechen wir heute über die Unternehmen.
Track 1: Knut, wer trägt denn dann eigentlich unsere Demokratie?
Track 3: Ganz simpel gesagt, wir alle. Das ist halt eine Aufgabe aller drei Sektoren,
Track 3: also sowohl der Politik als auch der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft.
Track 3: Jeder hat da eine Rolle drin, die sind nicht immer so klar und insbesondere auch was die eigenen,
Track 3: wie soll ich sagen, Schwächen dabei angeht, guckt man gerne drüber hinweg,
Track 3: aber da sind halt, also der Staat sind wir.
Track 2: Ja, aber ich glaube, das teilen wir alle hier und das teilen auch viele von
Track 2: den Menschen, mit denen wir jetzt schon Podcastgespräche, die wir in unserem
Track 2: Podcast eingeladen haben.
Track 2: Aber scheinbar scheint das ja nicht mehr selbstverständlich zu sein.
Track 2: Oder sagen wir nur, dass wir da jetzt häufiger drüber reden.
Track 2: Hast du da eine Erklärung?
Track 3: Ja, das droht dann jetzt allerdings so ein bisschen ins Feuilleton abzugleiten,
Track 3: aber ich versuche es mal kurz zu machen.
Track 3: Dass wir da häufiger drüber reden, ist glaube ich klar, weil wir haben eben
Track 3: insbesondere durch das Erstarken der AfD allen Grund dazu, das zu tun.
Track 3: Ob es nicht schon früher Warnhinweise geben hätte in die Richtung,
Track 3: dass da was in der Demokratie sich verändert, mag man dahingestellt bleiben.
Track 3: Und auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass es auch einen gehörigen
Track 3: Eskapismus gibt von Menschen.
Track 3: Ich will jetzt nicht anfangen, über das Wahlverhalten zugunsten radikaler Parteien,
Track 3: zu reden, aber ich glaube, dass was uns jetzt ganz bitter auf die Füße fällt in einer,
Track 3: sowieso auch noch international sehr angespannten Lage ist, dass wir in den
Track 3: letzten 20 Jahren in Deutschland uns eine enorm paternalistische Politik erlebt haben.
Track 3: Der Staat hat, also das ist eh so ein Problem von Politik, dass Politik sich,
Track 3: Parteien sich für allzuständig erklären und jedes Problem, was kommt.
Track 3: Findet sich einer, der sagt, okay, da müssen wir noch was tun und dann hat man
Track 3: eben alle Konflikte mit Geld zugeschüttet, weil es war ja auch genug da.
Track 3: Und auf der anderen Seite haben wir eben eine Vielzahl von Debatten verschlafen,
Track 3: Das bündelt sich etwas in Ostdeutschland. Da gibt es eine Vielzahl von Diskursversorgnissen
Track 3: über die Jahrzehnte hinweg, die uns jetzt einfach wirklich bitter auf die Füße fallen.
Track 3: Und das Schlimmste dabei ist eigentlich, jeder, der Kinder hat,
Track 3: weiß ja, wenn ich eben jemandem etwas zumute oder wenn ich etwas von jemandem
Track 3: will, dann heißt das ja vor allem erstmal, dass ich ihm etwas zutraue.
Track 3: Und das ist in Deutschland total aus der Mode gekommen.
Track 2: Das kann ich nachvollziehen. Ganz kurz noch dazu, auch wenn du es als phötonistisch
Track 2: beschreibst, ist ja eine Sache, die wir auch in unserer Debatte immer wieder erleben.
Track 2: Und insbesondere, wenn wir über Zivilgesellschaft und das Verhältnis der Zivilgesellschaft
Track 2: zum Staat sprechen, kommt ja auch ganz häufig diese Frage, wie viel Finanzierung
Track 2: soll die Zivilgesellschaft eigentlich vom Staat haben?
Track 2: Also von daher, da zeigt sich wieder so ein roter Faden, der durch den Diskurs
Track 2: geht, den du da zumindest auch aufgreifst bzw. bestätigst.
Track 3: Ich habe zum einen den Eindruck, dass sich der Diskurs nicht so wahnsinnig verändert
Track 3: hat. Also man ist noch erstaunlich kompetitiv mit dem Wissen von vor 20 Jahren,
Track 3: also zumindest in der breiten Diskussion.
Track 3: Und zum anderen habe ich den Eindruck, dass was schon damals so ab Anfang der
Track 3: Nullerjahre sichtbar war, Und da ist das, um es mal ganz plastisch zu sagen,
Track 3: staatliche Institutionen angefangen haben, die CD-Gesellschaft aufzukaufen.
Track 3: Also das heißt auch irgendwie die Antwort an der SPD war immer,
Track 3: also nicht bei den Fachpolitikern, aber bei den Vereinsoberen war immer,
Track 3: immer wenn wir regiert haben, haben wir die Übungsleiterpauschale erhöht.
Track 3: Das hat auch hinter vorgehaltener Hand und das ganz viele kritisiert.
Track 3: Also so erstmal nach außen war immer Rupert Strachwitz der Einzige,
Track 3: der gesagt hat, das ist ein ordnungspolitischer Sündenfall, das geht nicht.
Track 3: Da reden wir immer um Monetarisierung von Engagement. So, dann haben wir gesehen,
Track 3: dass Landesstiftungen für bürgerschaftliches Engagement gegründet worden sind
Track 3: und sogar jetzt eine Bundesstiftung. Und das ist einfach, das passt definitorisch
Track 3: von vorne bis hinten nicht zusammen.
Track 3: Und da sind wir dann vielleicht auch, ist auch die Zivilgesellschaft,
Track 3: ist da vielleicht auch ein Opfer des eigenen Erfolgs beziehungsweise ein Opfer
Track 3: ihrer erfolgreichen Institutionalisierung geworden.
Track 1: Ja, oder die Politik hat sozusagen die Gesellschaft nach und nach dann verändert, oder?
Track 1: Ist dann jetzt eigentlich diese ganze Kritik an der Zivilgesellschaft,
Track 1: die jetzt aufkommt und Fördermittel dann gestrichen werden und so,
Track 1: das ist dann eigentlich prächtig, da jetzt mal sozusagen ein bisschen Ordnung
Track 1: reinzubringen und die wieder ein bisschen abzunabeln?
Track 3: Also dünnes Eis. Also ich glaube, dass man sich da tatsächlich auf ein paar,
Track 3: grundsätzliche Fragen, muss man sich das mal angucken, was ist eigentlich tatsächlich,
Track 3: die Rolle von staatlichen Finanzierungen dabei.
Track 3: Und ich würde auch in der Tat an manches Engagement durchaus ein Fragezeichen
Track 3: machen und das in Zweifel ziehen.
Track 3: Also ich sage mal ein ganz simples Beispiel von, das ist jetzt schon viele Jahre her,
Track 3: aber das als über TTIP verhandelt wurde, also dieses transatlantische Partnerschaftsabkommen,
Track 3: Klammer auf hätten wir es doch mal ratifiziert, Klammer zu, also wir wären dann
Track 3: jetzt in besseren Zuständen.
Track 3: Aber da gab es eine NGO, die gegen TTIP kämpfte und auf der anderen Seite 100.000
Track 3: Euro Bundesförderung bekam.
Track 3: Und da würde ich sagen, das ist definitiv nicht Politik der Bundesregierung. Und,
Track 3: dass das manche Leute ein bisschen komisch finden, das kann ich gut nachvollziehen.
Track 3: Und ich fürchte, von diesen Beispielen wird man noch einige mehr finden.
Track 2: Ja, das sind ja die Spannungsverhältnisse, die wir auch in dem Podcast versuchen
Track 2: immer wieder deutlich zu machen und es gibt tatsächlich eine ganze Menge solcher,
Track 2: angespannten Beispiele und dann immer wieder die Überlegung,
Track 2: was sind hier eigentlich, was sind die Spielregeln, die man da haben muss,
Track 2: welche Spielregeln haben da auch Organisationen,
Track 2: aber das wird sicherlich ein Diskurs sein, den wir weiter verfolgen müssen und
Track 2: dafür ist ja der Podcast auch da, da nochmal hinzugucken, wie wir das ausverhandeln
Track 2: in Zukunft, weil ich glaube.
Track 3: Da bin ich jetzt auch kein Experte für, sondern da kann ich nur so ein bisschen
Track 3: meine staatsbürgerschaftliche Meinung sagen. Aber da ist was ins Rutschen gekommen.
Track 3: Und das auf der anderen Seite, das muss man jetzt auf der Unionsseite,
Track 3: also gerade diese berühmte Anfrage mit den 551 Fragen, dass das jetzt der Weisheit
Track 3: letzter Schluss nicht gewesen ist, das ist auch klar.
Track 3: Und dass die Union auf dem Thema Zivilgesellschaft immer sehr,
Track 3: sehr schwach besetzt gewesen ist. Also im Prinzip war Warnfried der Lettling
Track 3: der Letzte, der das irgendwie verstanden hat. Aber das war schon eine Erkenntnis,
Track 3: die konnte man schon vor 15 bis 20 Jahren haben.
Track 3: Es ist nicht viel besser geworden.
Track 1: Wie kommen wir denn raus aus dem ganzen Schlamassel? Hat die Wirtschaft da Ideen?
Track 3: Du kannst auch sagen.
Track 1: Ich passe.
Track 3: Ja, nein, ich passe jetzt nicht, aber das ist jetzt eher eine Frage,
Track 3: wo ich mich als Staatsbürger angesprochen fühle. Und jetzt würde ich sagen,
Track 3: eben Veränderung geht halt immer nur unter Druck.
Track 3: Die Fehler macht man in den vermeintlich guten Zeiten. Das geht für Beziehungen,
Track 3: also zwischenmenschliche Beziehungen, das geht aber genauso auch für das Verhältnis,
Track 3: von Bürgern und Staat und Demokratie und Gemeinwesen.
Track 3: Und unser Gemeinwesen ist jetzt brutal unter Druck und wir kommen jetzt auch,
Track 3: also das wird halt jetzt etwas schattiger werden hier in diesem Land und auch,
Track 3: es ist eben nicht mehr unendlich Geld vorhanden, man muss jetzt Prioritäten
Track 3: setzen und das ist vielleicht auch noch eine Chance, das gut neu zu sortieren.
Track 3: Und am Ende, das wäre ja auch in meinem Argument drin, dass die Zumutung zuerst
Track 3: mal auch das Zutrauen heißt, dass der Mensch leistungsfähig ist.
Track 3: Menschen sind ja veränderungsfähig, wenn sie müssen. Und zwar ganz erstaunlich,
Track 3: da sind ja Menschen zu ganz erstaunlichen Leistungen fähig. Und das traue ich
Track 3: dieser Gesellschaft dann durchaus zu.
Track 2: Wenn du jetzt, Knut, die heutige Folge in einem Satz zusammenfassen müsstest,
Track 2: was unterschätzen wir denn dann derzeit an der Rolle der Wirtschaft mit Blick auf die Demokratie?
Track 3: Das unterschätzt wird, wie viele Unternehmen per se schon für die Demokratie
Track 3: tun und zwar in ihrer ureigenen Rolle als eben,
Track 3: zur Verfügungsteller von Dienstleistungen, von Arbeitsplätzen, von Produkten.
Track 3: Damit geht es los. Ich glaube, das ist einfach ein grundlegendes Missverständnis,
Track 3: was Unternehmen sind und sein können, gerade von Seiten der Zivilgesellschaft geht.
Track 3: Sie sind halt jetzt schon sehr viel mehr als nur diejenigen,
Track 3: die irgendwie Steuer zahlen. Und ansonsten, Unternehmen sind natürlich per se
Track 3: keine demokratischen Veranstaltungen, sondern da gibt es halt klare Hierarchien.
Track 3: Aber sie sind eben auch sehr viel mehr jetzt schon als nur Steuerzahler und
Track 3: Wohlstandsgaranten, sondern sie haben eine Rolle in unserem Gemeinwesen.
Track 1: Michael, ich glaube, du darfst jetzt eine ganz traditionelle Abschlussfrage stellen.
Track 2: Genau. Knut, nochmal was ganz anderes.
Track 2: Wann bist du das erste Mal mit Zivilgesellschaft in Berührung bekommen?
Track 2: Wo hast du dich sozialisiert zivilgesellschaftlich?
Track 3: Also da zähle ich jetzt was zur Zivilgesellschaft dazu, was mutmaßlich einiges
Track 3: Stirnrunzen hier bei den Feinschmeckern unter den Zuhörern wecken wird.
Track 3: Meine Großmutter war Kommunalpolitikerin für die FDP, war da sehr, sehr erfolgreich bei.
Track 3: Und das ist so ein bisschen meine, da habe ich Politik gelernt.
Track 3: Also weil ich dann neben ihr, also sie saß dann einmal die Woche am Stammtisch,
Track 3: in dem örtlichen Restaurant, also das gehört zu so einer Metzgerei dazu,
Track 3: ganz okay, aber irgendwie relativ bodennah auch.
Track 3: Und dann saß sie da und dann kamen die Leute und haben so gesagt,
Track 3: was ihre Probleme sind. und meine Großmutter sagt, ich kümmere mich,
Track 3: ja, ja, guck mal, folgende Idee und so.
Track 3: Und ich neige dazu, auch dass die Parteien zur Zivilgesellschaft zählen und
Track 3: auch zu sagen, dass eben auch das Engagement in Parteien ein genuin bürgerschaftliches
Track 3: Engagement ist, was eine Definition, die nicht so, nicht alle teilen werden.
Track 3: Und das waren so meine Berührungspunkte mit Engagement insgesamt.
Track 3: Das waren so die Anfänge davon. Und dann,
Track 3: Natürlich irgendwie selber auch Dinge gemacht in der Schulzeit und dann,
Track 3: wie gesagt, im Präsidialamt habe ich mir das dann nochmal alles sehr nett irgendwie
Track 3: quasi aus der Loge angucken können.
Track 3: Das war eine sehr, sehr lehrreiche Zeit.
Track 2: Super, danke dir erstmal dafür.
Track 1: Ja und vielen Dank insgesamt für heute. Also das war eine spannende Sicht,
Track 1: finde ich. Man hört oft, dass die Wirtschaft und vor allem auch von der Zivilgesellschaft,
Track 1: dass die Wirtschaft mehr geben könnte und mehr tun sollte. Aber jetzt haben
Track 1: wir heute ein bisschen gehört, das tut sie. Und,
Track 1: manchmal ist mehr Haltung auch nicht möglich aus vielerlei Gründen,
Track 1: weil es die Kapazität nicht gibt, oder?
Track 3: Ja, vielleicht darf ich da noch einen Satz zu sagen. Ja, also ich sehe halt,
Track 3: ein grundlegendes Missverständnis. Ich will jetzt auch nicht sagen,
Track 3: dass halt die Wirtschaft per se Zivilgesellschaft versteht. Aber man muss dazu
Track 3: eine gemeinsame Sprache finden und das ist dann auch das Aushandeln von Gesellschaft.
Track 3: Das ist letztendlich Demokratie, dass man dann Verständnis für hat.
Track 3: Und meine Beobachtung ist, da ich jetzt auch an mehreren Konferenzen teilgenommen
Track 3: habe, wo es um dieses Spannungsfeld ging, ich kann nur sagen,
Track 3: also wenn man der Demokratie was Gutes tun will,
Track 3: dann hilft es überhaupt nicht weiter, wie das manchmal so von den wissenschaftlichen
Track 3: Demokratie Granten gemacht wird, dass dann gefragt wird, welchen Demokratiebegriff
Track 3: legen denn dann jetzt Unternehmen zugrunde?
Track 3: Das ist vollkommen wurscht, also damit wird man es halt nicht retten.
Track 3: Und ich wünschte mir, dass es da.
Track 3: Mehr Diskurs gäbe und weniger Sprachbarrieren also wir hatten mal,
Track 3: also das ist so eine Urerfahrung auch gewesen ich weiß nicht,
Track 3: ob ihr euch da noch dran erinnert den ersten Engagementbericht,
Track 3: den es gegeben hat der Bundesregierung, der war halt,
Track 3: Im Kern hatte der das Thema Engagement von Unternehmen. Das ist politisch so gewollt gewesen.
Track 3: Michael Hüther, der Direktor des Instituts, an dem ich arbeite,
Track 3: ist damals der Kommissionsvorsitzende gewesen und das ist aus der Zivilgesellschaft total befähdet worden,
Track 3: also zumindest aus der organisierten Zivilgesellschaft heraus,
Track 3: wie man jetzt das Unternehmensengagement in den Zentrum eines ersten nationalen
Track 3: Engagementberichts stellen kann.
Track 3: Und da gehen diese Missverständnisse los und wir haben Jahre später mal,
Track 3: also da war ich noch gar nicht beim Idee, als das war,
Track 3: Jahre später mal ein Sammelband gemacht, womit wir eigentlich die Brücke schlagen
Track 3: wollten zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft und das ist auch letztendlich missglückt.
Track 3: Und ich habe manchmal den Eindruck, also zumindest was die organisierte Zivilgesellschaft
Track 3: angeht, dass auf der einen Seite,
Track 3: Unternehmen sehr gerne dann als Ressourcenbereitsteller genommen werden,
Track 3: aber die sollen dann auch bitte nicht weiter mitreden und auf der anderen Seite
Track 3: vor allem kritisch beäugt werden als undemokratische Veranstaltungen,
Track 3: Kapitalisten und ich weiß nicht was.
Track 3: Und so werden wir halt nicht weiterkommen.
Track 3: Da ist auch auf beiden Seiten, also sagen wir mal, gesellschaftliche Dialoge
Track 3: werden durch jede Form von Bonniertheit verhindert. Und da wünsche ich mir etwas weniger von.
Track 2: So, jetzt liegen alle Sachen auf dem Tisch und damit können wir die Brücke schlagen.
Track 2: Aber erstmal danke dir, Knut, für deine Zeit und für all die Überlegungen und
Track 2: natürlich auch die klaren Statements. Danke dafür.
Track 1: Ja, vielen, vielen Dank.
Track 3: Sehr gerne.
Track 1: Jetzt gibt es für unsere Hörer zum Schluss wie immer noch drei Aussagen,
Track 1: die man so insgesamt häufig hört und die wir heute einordnen wollen.
Track 1: Erstens, Unternehmen sollten sich aus gesellschaftlichen Debatten heraushalten.
Track 2: Und wir haben es heute gelernt, dass Unternehmen sind auch keine politischen
Track 2: Parteien. Gleichzeitig profitieren sie von einer funktionierenden Demokratie
Track 2: und einem stabilen Rechtsstaat.
Track 2: Ob und wie sie sich äußern sollten, darüber kann man streiten.
Track 2: Und das hat Knut uns jetzt, glaube ich, hier auch sehr streitbar deutlich gemacht.
Track 2: Dass demokratische Rahmenbedingungen auch wirtschaftliche Bedeutung haben,
Track 2: das lässt sich wiederum kaum bestreiten.
Track 1: Unternehmen zeigen Haltung, doch nur aus Marketinggründen.
Track 2: Da, auch das haben wir heute in dem Gespräch mit Knut gelernt,
Track 2: die Forschung zeigt ein sehr differenziertes Bild. Haltung kann Vertrauen schaffen,
Track 2: sie kann aber ebenso Ablehnung hervorrufen.
Track 2: Öffentliche Positionen zu beziehen ist deshalb keineswegs risikolos für ein Unternehmen.
Track 2: Gerade deshalb lohnt sich die Frage, wann gesellschaftliches Engagement eines
Track 2: Unternehmens glaubwürdig wirkt.
Track 1: Das ist gar nicht so einfach zu messen, haben wir gelernt. Demokratie ist Aufgabe
Track 1: des Staates, nicht der Wirtschaft.
Track 2: Der Staat trägt die Verantwortung für demokratische Institutionen und das ist
Track 2: ja am Ende auch so ein roter Faden in unserem Podcast.
Track 2: Eine lebendige Demokratie lebt aber auch von engagierten gesellschaftlichen
Track 2: Akteuren, Unternehmen, Zivilgesellschaft.
Track 2: Die spannende Frage ist deshalb nicht, ob Unternehmen den Staat ersetzen sollen,
Track 2: sondern welche Verantwortung sie in einer demokratischen Gesellschaft übernehmen können.
Track 1: Michael, wenn ich auf unsere bisherigen Folgen schaue, dann zieht sich eigentlich
Track 1: ein roter Faden durch unseren Podcast.
Track 2: Also das ist immer wieder dieses, wir hatten das jetzt schon ein paar Mal,
Track 2: egal ob Umweltverband, Sportverein, Integrationsorganisation oder heute eben
Track 2: Unternehmen, immer mehr gesellschaftliche Akteure übernehmen Verantwortung über
Track 2: ihr eigentliches Kerngeschäft hinaus.
Track 2: Und sie haben auch eine Meinung und die sollen sie ja auch äußern.
Track 2: Dafür sind wir in einer Demokratie und beziehen Positionen.
Track 1: Und je länger wir irgendwie so darüber sprechen, desto deutlicher wird auch.
Track 1: Eigentlich geht es dabei immer um
Track 1: dieselbe Frage, oder? Wer übernimmt Verantwortung für unsere Demokratie?
Track 2: Das ist richtig. Bleibt nur offen, ob das ein Zeichen einer starken Demokratie ist.
Track 1: Oder ein Staat ist, der immer mehr Verantwortung auf andere überträgt.
Track 1: Da haben wir halt auch drüber gesprochen.
Track 2: Genau. Und genau darüber werden wir vermutlich noch in einigen Folgen sprechen.
Track 2: Wir freuen uns auf jeden Fall immer wieder über das Feedback unserer Hörerinnen und Hörer.
Track 2: Dann kommt immer das Schöne, liked uns, kommentiert uns und helft uns dabei,
Track 2: Zivilgesellschaft verständlich zu machen.
Track 1: Bis zur nächsten Folge der NGO-Debatte, denn sie geht uns alle an.